Hardware/Antenne/LHG 60G: Unterschied zwischen den Versionen
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== Hinweis zu OpenWrt und 60 GHz == | |||
MikroTik [https://mikrotik.com/product/lhg_60g RBLHGG-60ad / LHG 60G] sind derzeit | Die MikroTik [https://mikrotik.com/product/lhg_60g RBLHGG-60ad / LHG 60G] sind derzeit keine empfehlenswerten OpenWrt-Ziele für produktive 60-GHz-Funkstrecken. Die 60-GHz-Funkhardware basiert auf Qualcomm/Wilocity-802.11ad-Technik und wird unter Linux über den [https://wireless.docs.kernel.org/en/latest/en/users/drivers/wil6210.html wil6210-Treiber] angesprochen. Dieser benötigt neben dem eigentlichen Firmware-Blob auch eine passende Boarddatei, also eine '''.brd'''-Datei. | ||
Diese BRD-Dateien sind keine normale Firmware, sondern enthalten Board- und Radio-Parameter für das jeweilige 60-GHz-Hardwaredesign. Dazu gehören insbesondere Kalibrations- und RF-Parameter, die zum konkreten Baseband-/RF-/Antennen-Frontend passen müssen. Bei 60-GHz-Phased-Array-Hardware ist das besonders relevant, weil Beamforming, Sende-/Empfangspfade und die Abstimmung des Antennenfrontends nicht generisch betrieben werden können. Ungenaue oder falsche Boarddateien können daher dazu führen, dass die Funkhardware gar nicht, instabil oder mit falschen RF-Parametern arbeitet. | |||
Für produktive Links | Die BRD-Datei sollte deshalb nicht als beliebig austauschbare Treiberdatei verstanden werden. Sie ist an die jeweilige Hardwareplattform und unter Umständen auch an bestimmte Board-, RF- oder Baseband-Revisionen gebunden. Terragraph dokumentiert für Qualcomm/Talyn-basierte 60-GHz-Plattformen beispielsweise ein Suchschema, bei dem der Treiber zuerst nach einer nativen Boarddatei pro PCI-/Baseband-Instanz sucht und erst danach auf eine generische beziehungsweise „golden“ Boarddatei zurückfällt: [https://terragraph.com/docs/developer/Firmware_Versioning Terragraph: Firmware Versioning]. Das ist nicht eins zu eins MikroTik-spezifische Dokumentation, zeigt aber gut, welche Rolle diese Dateien im Qualcomm-60-GHz-Stack spielen. | ||
Für MikroTik-60-GHz-Geräte unter OpenWrt ist daher problematisch, dass passende Firmware- und BRD-Dateien nicht einfach Teil einer vollständig upstream integrierten, sauber dokumentierten OpenWrt-Unterstützung sind. Sie müssen in der Praxis aus der Hersteller-Firmware extrahiert oder anderweitig passend bereitgestellt werden. In den experimentellen Mikrotik-researcher-tools wurde etwa explizit eine aus MikroTik RouterOS übernommene BRD-Datei ergänzt; siehe den entsprechenden Commit: [https://github.com/IMDEANetworksWNG/Mikrotik-researcher-tools/commit/bd9d5232436bfde9a3c8ea2ee0a236738648f387 Mikrotik-researcher-tools: add wil6210 BRD file]. | |||
Zusätzlich existieren unterschiedliche Hardware- und Board-Revisionen. Je nach Revision, RouterBOOT-Version und Flash-/Partitionslayout kann das Booten, Flashen oder Wiederherstellen deutlich schwieriger sein als bei klassischen OpenWrt-Geräten mit gut dokumentierter U-Boot-/TFTP-Recovery. | |||
Bemerkenswert ist, dass das LHG 60G laut OpenWrt-ToH eines der wenigen dokumentierten OpenWrt-Targets mit integrierter 60-GHz-Funkhardware ist: [https://openwrt.org/toh/hwdata/mikrotik/mikrotik_rblhgg-60ad_lhg_60g OpenWrt-ToH: MikroTik RBLHGG-60ad / LHG 60G]. Gerade deshalb sollte diese Unterstützung als experimentell und forschungsnah eingestuft werden, nicht als belastbare Grundlage für produktive Installationen. | |||
Es existieren experimentelle Arbeiten und Diskussionen dazu, siehe [https://lists.openwrt.org/pipermail/openwrt-devel/2019-March/022094.html OpenWrt-devel-Mailingliste], [https://forum.openwrt.org/t/support-for-mikrotik-wap-60g/30752/136?page=2 OpenWrt-Forum] und [https://github.com/IMDEANetworksWNG/Mikrotik-researcher-tools Mikrotik-researcher-tools]. Diese zeigen, dass Experimente mit MikroTik-60-GHz-Geräten unter OpenWrt/Linux grundsätzlich möglich sind. Sie ersetzen aber keine stabile, vollständig upstream integrierte und produktiv abgesicherte OpenWrt-Unterstützung. | |||
== Empfehlung für Funkstrecken == | |||
'''Für produktive 60-GHz-Links setzen wir daher auf die originale MikroTik-Firmware und behandeln die Geräte als transparente Medienkonverter beziehungsweise Ethernet-Bridges. Routing, Monitoring und OLSRv2 laufen auf separaten OpenWrt-Geräten hinter den 60-GHz-Links.''' | |||
Aktuelle Version vom 7. Juni 2026, 22:09 Uhr
Hinweis zu OpenWrt und 60 GHz
Die MikroTik RBLHGG-60ad / LHG 60G sind derzeit keine empfehlenswerten OpenWrt-Ziele für produktive 60-GHz-Funkstrecken. Die 60-GHz-Funkhardware basiert auf Qualcomm/Wilocity-802.11ad-Technik und wird unter Linux über den wil6210-Treiber angesprochen. Dieser benötigt neben dem eigentlichen Firmware-Blob auch eine passende Boarddatei, also eine .brd-Datei.
Diese BRD-Dateien sind keine normale Firmware, sondern enthalten Board- und Radio-Parameter für das jeweilige 60-GHz-Hardwaredesign. Dazu gehören insbesondere Kalibrations- und RF-Parameter, die zum konkreten Baseband-/RF-/Antennen-Frontend passen müssen. Bei 60-GHz-Phased-Array-Hardware ist das besonders relevant, weil Beamforming, Sende-/Empfangspfade und die Abstimmung des Antennenfrontends nicht generisch betrieben werden können. Ungenaue oder falsche Boarddateien können daher dazu führen, dass die Funkhardware gar nicht, instabil oder mit falschen RF-Parametern arbeitet.
Die BRD-Datei sollte deshalb nicht als beliebig austauschbare Treiberdatei verstanden werden. Sie ist an die jeweilige Hardwareplattform und unter Umständen auch an bestimmte Board-, RF- oder Baseband-Revisionen gebunden. Terragraph dokumentiert für Qualcomm/Talyn-basierte 60-GHz-Plattformen beispielsweise ein Suchschema, bei dem der Treiber zuerst nach einer nativen Boarddatei pro PCI-/Baseband-Instanz sucht und erst danach auf eine generische beziehungsweise „golden“ Boarddatei zurückfällt: Terragraph: Firmware Versioning. Das ist nicht eins zu eins MikroTik-spezifische Dokumentation, zeigt aber gut, welche Rolle diese Dateien im Qualcomm-60-GHz-Stack spielen.
Für MikroTik-60-GHz-Geräte unter OpenWrt ist daher problematisch, dass passende Firmware- und BRD-Dateien nicht einfach Teil einer vollständig upstream integrierten, sauber dokumentierten OpenWrt-Unterstützung sind. Sie müssen in der Praxis aus der Hersteller-Firmware extrahiert oder anderweitig passend bereitgestellt werden. In den experimentellen Mikrotik-researcher-tools wurde etwa explizit eine aus MikroTik RouterOS übernommene BRD-Datei ergänzt; siehe den entsprechenden Commit: Mikrotik-researcher-tools: add wil6210 BRD file.
Zusätzlich existieren unterschiedliche Hardware- und Board-Revisionen. Je nach Revision, RouterBOOT-Version und Flash-/Partitionslayout kann das Booten, Flashen oder Wiederherstellen deutlich schwieriger sein als bei klassischen OpenWrt-Geräten mit gut dokumentierter U-Boot-/TFTP-Recovery.
Bemerkenswert ist, dass das LHG 60G laut OpenWrt-ToH eines der wenigen dokumentierten OpenWrt-Targets mit integrierter 60-GHz-Funkhardware ist: OpenWrt-ToH: MikroTik RBLHGG-60ad / LHG 60G. Gerade deshalb sollte diese Unterstützung als experimentell und forschungsnah eingestuft werden, nicht als belastbare Grundlage für produktive Installationen.
Es existieren experimentelle Arbeiten und Diskussionen dazu, siehe OpenWrt-devel-Mailingliste, OpenWrt-Forum und Mikrotik-researcher-tools. Diese zeigen, dass Experimente mit MikroTik-60-GHz-Geräten unter OpenWrt/Linux grundsätzlich möglich sind. Sie ersetzen aber keine stabile, vollständig upstream integrierte und produktiv abgesicherte OpenWrt-Unterstützung.
Empfehlung für Funkstrecken
Für produktive 60-GHz-Links setzen wir daher auf die originale MikroTik-Firmware und behandeln die Geräte als transparente Medienkonverter beziehungsweise Ethernet-Bridges. Routing, Monitoring und OLSRv2 laufen auf separaten OpenWrt-Geräten hinter den 60-GHz-Links.